Lieber Herr Nationalrat Aebischer

Veröffentlicht in Artikel Schweiz

Unter dem Link http://www.vimentis.ch/dialog/readarticle/unterschreiben-sie-die-wiedergutmachungsinitiative/ erzählen Sie uns fast so emotional wie Conchita Wurst die Geschichte Ihrer Grosseltern und malen diese als Schwarzenburger auch schwarz aus. Auch ich bin in einer Bauernfamilie aufgewachsen und lebte zusammen mit 5 Geschwistern, der Grossmutter, dem Grossonkel, Knecht und Magd sowie mit Kriegskindern. Ich kannte Verdingkinder. Es war nicht alles gut, vieles schlecht wie heute auch.

Nun kommen Sie und andere nicht nur als Gut- sondern als Bessermenschen, verurteilen die Politiker, Behörden und Gesellschaft von damals und entschuldigen sich für diese und etwas, das nicht Sie verschuldet haben. Sie reiten auf der egoistischen, eigennützigen „Wiedergutmachungswelle“, um oben zu bleiben. Ihre Grosseltern sind vor 20 Jahren gestorben, leben nicht mehr, wie die meisten der Betroffenen. Sie hätten Zeit gehabt, Ihren Grosseltern Gutes zu tun.

Als Dramaturg lassen Sie Ihre Grossmutter noch die Geschichte vom Verdingbub erzählen, der sich erhäng hat. Heute werfen sich mehr Menschen vor den Zug, als auf der Strasse tödlich verunglücken. Was wäre wohl da gut zu machen? Der Zweck heiligt die Mittel nicht. Hinterfragen Sie Ihren Kollegen, Guido Fluri, wie er als ehemaliges Verdingkind zu solch einem Riesenvermögen gelangt ist. Sie beide wollen Wiedergutmachungsgelder ausgeben, viel Geld. Nicht das Eurige. Geld kann alles wieder gut machen, ist Eure Haltung, besonders bei jenen, die unter physischen und psychischen Störungen leiden! Zeigen Sie doch einmal Alternativen auf, welche die Eltern und Behörden damals für ihre Situation gehabt hätten! Lesen Sie dazu „Spazzacamini“.

Als SP Nationalrat sind Sie ein bekennender Armeeabschaffer. Wenn Ihnen dies gelingt, ermöglichen Sie Politikern späterer Generationen, sich auch einmal mit Wiedergutmachungs Zenarien Aufmerksamkeit zu verschaffen. Hoffen wir, dass sich nie andere entschuldigen müssen, weil wir den Schutz der Heimat - eben dieses Geldes wegen - aufgegeben haben.

Herr Nationalrat, es gibt für Sie so viele gute Möglichkeiten, im Hier und Jetzt auf sich aufmerksam zu machen. Entwicklungshilfegelder zu sprechen und damit die Hände rein zu waschen ist keine Heldentat. Diese Woche hat im Sudan eine junge Frau ein Kind im Gefängnis geboren. Sie wurde zu hundert Peitschenhiebe verurteilt, weil sie einen Christen geheiratet hat, was als Ehebruch gilt. Zudem wurde über sie das Todesurteil verhängt, weil sie sich vom islamischen Glauben abgewendet hat.

Wenn Sie schon für globales Denken und Handeln sind, keine Grenzen mehr brauchen, und dieser Islam bei uns das christliche Kreuz aus den Schulen treiben darf, dann tun sie auch grenzenlos Gutes jetzt und für die Zukunft, nicht für eine Vergangenheit, die Sie weder kennen noch erlebt haben. Sie müssen gerade stehen für das, was Sie tun, nicht was Generationen vor ihnen getan haben. Vielleicht gibt es etwas, wofür sich die heutigen Politiker auch schon zu entschuldigen hätten? Dann sollten sie es jetzt tun.

Ich habe mir die Mühe genommen, Ihren Artikel zu lesen. Vielleicht nehmen Sie sich diese auch und lesen meine Artikel im Anhang.

Mit freundlichem Gruss

Paul Hunziker

 

Anhang: „Eine erfundene Geschichte“ und „Spazzacamini“ beide auch auf der Homepage www.svp-seftigen.ch