Diese Geschichte (soll) darf sich nicht wiederholen

Veröffentlicht in Artikel Schweiz

Im THUNER TAGBLATT vom 30.Mai.2015 hat Herbert Rentsch einen aufrührenden und bewegenden Artikel über das erste Opfer am Schweizer Himmel nach Kriegsausbruch geschrieben. Es ist ein Bericht über ein Geschehnis vor 75 Jahren, das sich wiederholen könnte aber nicht darf. 

Es tobt der 2. Weltkrieg. Die Schweiz ist nicht direkt involviert aber bereit und auch genötigt, die Grenzen zu sichern und sich nötigenfalls zu verteidigen. Dies galt auch und vor allem für den Luftraum. Am 10. Mai überrennt die deutsche Wehrmacht Belgien und Holland. Hierzulande wird befürchtet, dass jetzt der Angriff auf Frankreich erfolgen wird. Deutsche Bomber und Jäger dringen immer wieder in den schweizerischen Luftraum ein. General Guisan befiehlt, unseren Luftraum kompromisslos zu verteidigen. Während unsere Piloten auftragsgemäss die Eindringlinge zur Landung zwingen, werden sie von diesen immer wieder beschossen. Es kommt so zu den ersten militärischen Kampfhandlungen in der Schweiz während des letzten Weltkrieges. Am 4. Juni 1940 werden alle Messerschmitt der Fliegerkompagnie 15 in die Luft beordert, so auch Leutnant Rudolf Richkenbacher mit seiner ME 109. Von diesem Einsatz kehrt er nicht mehr zurück, weil er von den deutschen Jägern abgeschossen wurde und in der Nähe von Delsberg in den Tod gestürzt ist. 

So tragisch dieser Tod auch sein mag, er gehörte zum Alltag des Krieges und hat damals auch keine grosse Beachtung gefunden und auch kein schweizweites Bedauern ausgelöst. Aber reflektiert man die Situation der Luftwaffe von damals mit der heutigen, dann kann man nur staunen, dass aus der „Geschichte“ nichts gelernt wurde. Drei Tage vor Kriegsausbruch, am 28. August 1939, rückten die Flieger- und Flabtruppen in den Aktivdienst ein. 

„Die Luftwaffe, die den Schweizer Luftraum verteidigen soll, ist veraltet und unterdotiert. Drei Fliegerkompagnien werden nach Hause geschickt, weil es für sie keine Flugzeuge gibt. (Thuner Tagblatt vom 30. Mai. 2015) 

Heute, 75 Jahre später, sorgen die Linken und Armeegegner dafür, dass wir wieder vor der genau gleich bedenklichen Situation stehen und scheinbar nichts gelernt haben: unsere Kampfjets sind veraltet und anzahlmässig unverantwortlich dezimiert worden. Unsere Piloten gehören zwar zu den besten der Welt. Aber diese tollkühnen Männer mit ihren noch fliegenden Kisten hätten wenige Chancen von einem Einsatz zurückzukehren. Mit diesem Risiko müssen sie (über-)leben können. Oder mit anderen Worten: Einsatz und Leben unserer Piloten wird von Politik und Armee geringschätzig betrachtet. 

Warum geben Politik und Armee unseren heutigen „Rickerbacher“ nicht das, was sie benötigen, um ihren Auftrag ausführen zu können: nämlich uns und unser Land zu verteidigen und sich selber zu schützen? Jede Grundschule wird ständig mit den neusten, modernsten Informations- und Kommunikationstechnologien aus- und aufgerüstet, um den heutigen Ansprüchen und Erwartungen genügen zu können. Und unsere Luftwaffe? 

Es ist noch eine weitere Parallele auszumachen. Die Reichsregierung hat damals gegen die Angriffe der Schweiz – diese hat zwar nur ihren Luftraum verteidigt und die Grenze geschützt – protestiert und vom Bundesrat eine Entschuldigung verlangt. Als dann die Nazis sogar mit militärischer Vergeltung gedroht hatten, gab die Schweiz klein bei. Am 20. Juni 1940 musste General Guisan einen Angriffsstopp gegen deutsche Flugzeuge anordnen, und die Luftwaffe musste am Boden bleiben. 

Wie behandelt heute die EU, insbesondere Deutschland und Frankreich, die Schweiz? Ist ein Kleinstaat ein Staat, der klein beigeben muss und zum Kniefall erpresst wird? Darauf zu hoffen, dass alles wieder so gut und glimpflich für uns ausgehen wird wie im 2. Weltkrieg ist naiv. Die sicherheitspolitische Lage ist alarmierend. Rasches Handeln ist oberstes Gebot!

 Juni 2015 / Paul Hunziker