Mingeri Lüt (9)

Veröffentlicht in S’CHEFELI VERZELLT

Wer als interessierter Leser diese Folgengeschichten im Kontext verstehen will, ist gebeten, den 1.Artikel unter der Rubrik „s’Chefeli verzellt…“ den gleichnamigen Artikel sowie „Mingeri Lüt“ zu lesen. Heute folgt die neunte Geschichte. 

Dr Bisliferdu 

Während meiner Kindheit lebte im Nachbardorf Ried bei Kerzers ein Bauer namens Gottlieb Mäder. Allerdings wussten wohl nur wenige seinen richtigen Namen, denn er war allgemein nur als „Bisligödu“ bekannt. Über die Familie meiner Mutter bin ich sogar noch verwandt mit ihm. Der „Bisligödu“ war ein anerkannter Naturheiler, der aber trotz seines Übernamens nie „Wässerli“ begutachtete. Sein Sohn versicherte mir, dass sein Vater – ganz im Gegensatz zu vielen Kurpfuschern, die keine Ahnung von Wirkstoffen ihrer Heilmittel hatten – von klein auf durch den Grossvater in die Kräuterkunde eingeführt worden sei und sich darüber hinaus ein fundamentales Wissen aus Büchern zusammengetragen habe. Er galt als sehr erfolgreich mit seinen Kuren und wurde ein reicher Mann. 

Ursprünglich wollte ich meine Figur „Bisligödu“ nennen, doch als meine Cousine aus Ried davon erfuhr, hätte sie mir am liebsten den Kopf abgerissen. Reich und anerkannt wie Gödu war, passe er nicht in den Kreis der „mingere Lüt“. Also nannte ich meinen Wässerligschauer „Bisliferdu“. 

Als Herzpatient weiss ich die Errungenschaften der modernen Schulmedizin zu schätzen. Dennoch: 

Eine Frage: Ist es – pointiert ausgedrückt – notwendig, dass wegen jedem Hustenanfall gleich ein MRI gemacht wird? Vergeblich machen Gesundheitsforscher darauf aufmerksam, dass heutzutage oft auch bei nicht begründeten Fällen alle möglichen, teuren Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt werden. Eine alte Faustregel besagt hingegen, dass eine Erkältung mit Arzt zwei Wochen dauert, ohne Arzt vierzehn Tage. 

Bis zum nächsten Mal

Euer Chefeli