„Verhindern statt Wiedergutmachen“

Veröffentlicht in Artikel Schweiz

Was Bolivien heute erlebt, haben unsere Vorfahren auch durchlitten und mangels Alternativen damals ihre Kinder auch als Verdingkinder zum Arbeiten geschickt. 

Unsere Politiker profilieren sich heute als Gut- oder Bessermenschen, indem sie verurteilen, wie unsere Gross- und Urgrosseltern in der unbeschreiblichen Not gehandelt haben. Sich für etwas zu entschuldigen, was andere getan haben und mit fremdem Geld sich Lorbeeren erkaufen unter dem Titel „Wiedergutmachung“, ist ein unrühmlich erlangter Erfolg. 

Unsere Verdingkinder hatten es nicht alle schlecht und durften zur Schule gehen. Die meisten leben gar nicht mehr, und jenen, die einen psychischen Schaden davongetragen haben, kann das Heil nicht erkauft werden. In Bolivien müssen 850‘000 Kinder zur Arbeit statt in die Schule gehen. Das Parlament hat (2014!), das Alter für Kinderarbeit offiziell von 14 Jahren auf 10 Jahre gesenkt. 

Unsere aktuellen Politiker täten gut und sogar besser daran, sich dafür einzusetzen, solches zu verhindern und nicht später wieder sich zu entschuldigen und Millionenbeträge als Wiedergutmachung für Irreparables - sich selbst beweihräuchernd – dem Steuerzahler abzuknöpfen und zu verteilen. Ich frage mich auch, wo die Aktionen und Reaktionen der vielen, teuren Hilfswerke, Kirchenorganisationen und weiterer Spendenfordernden bleiben. 

Katholiken konnten und können sich durch die Beichte von Schuld und schlechtem Gewissen befreien, unsere Politiker erkaufen sich dies mit öffentlichen Geldern. 

Paul Hunziker