POSITIV IST RELATIV

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Die Zürcher Polizei hat bezüglich der Street Parade 2015 der Presse gegenüber eine „positive Bilanz“ gezogen. Diese sieht in Zahlen so aus: 

  • 40% mehr brauchten Schutz und Rettung als in den Jahren zuvor.
  • 1041 Personen mussten medizinisch versorgt werden vorab wegen Schnittwunden und gesundheitlichen Problemen im Zusammenhang mit Drogen und Alkohol.
  • 90 Personen mussten schwerverletzt ins Spital eingeliefert werden.
  • 122 Personen mussten an Sammelstellen überwacht und ausgenüchtert werden.
  • Ein 17-jähriger wurde bewusstlos aus dem Wasser gezogen.
  • Ein junger Mann hat sich arterielle Verletzungen durch Glasscherben beim Einschlagen eines Schaufensters zugezogen und musst eingeliefert werden.
  • Ein Mann geriet in eine Schiffsschraube und erlitt schwerste Beinverletzungen.
  • Die Polizei suchte nach mehreren Personen, die Tränengas in die Menge sprühten.
  • 11 Personen wurden wegen übermässigem Alkohol- und Drogenkonsum in Gewahrsam genommen und in die Zürcher Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle eingeliefert.
  • Es wurden 470 Ecstasy-Tabletten, einige Dosen MDMA und 260 Gramm Marihuana sichergestellt.
  • Die Urinmengen und Mageninhalte, die für Gestank und Ekel sorgten, konnten nicht quantifiziert werden.
  • Über die Sachbeschädigungen liegen keine zuverlässigen Zahlen vor. Die Geschädigten und die Versicherungen aber freuen sich über die „positive Bilanz“ der Polizei. 

Für die Polizei scheint „positiv“ zu bedeuten: „Wir hatten viel zu tun, und kamen uns nützlich vor! 

Unsere Polizei in „Züri-West“ (gemeint ist Bern) muss bezüglich des Bernischen Kulturzentrums immer wieder eine negative Bilanz ziehen. Sie darf nicht und hat nichts zu tun. Sie darf nicht eingreifen und nicht einmal sich selber verteidigen. Ihnen werden Glasflaschen über den Kopf gezogen, werden brutal angegriffen, ihre Autos demoliert, und sie werden dort als Hüter von Recht und Ordnung in allen Funktionen und Aufgaben behindert und höhnend vertrieben. 

Hier in Bern zieht dafür die Stadtbehörde mit dem Stadtpräsidenten Tschappelari, oder wie er heisst, bezüglich der Reithalle und der dortigen Chaoten immer (noch) eine positive Bilanz. Sie und er haben immer (noch) mit diesem Problem zu tun. 

Es ist wie in der Medizin: ein positiver Befund ist meistens sehr schlimm bis tragisch, ein negativer dafür oft eine frohe Botschaft.

 

Oktober 2015                                                                                                                    Paul Hunziker