Mingeri Lüt (13)

Veröffentlicht in S’CHEFELI VERZELLT

Wer als interessierter Leser diese Folgengeschichten im Kontext verstehen will, ist gebeten, den 1.Artikel unter der Rubrik „s’Chefeli verzellt…“ den gleichnamigen Artikel sowie „Mingeri Lüt“ zu lesen. Heute folgt die dreizehnte und letzte Geschichte.

dr Gränzdenker 

In der Mitte der Bronzefiguren „mingeri Lüt“ steht eine seltsam anmutende, aus Eisen gefertigte Gestalt, „dr Gränzdenker“. Sein Name weist darauf hin, dass er im Denken unfrei, begrenzt ist. Sein digitales Gerät ermöglicht ihm zwar eine grenzenlose Vernetztheit, die den einfachen Bronzefiguren fehlt, aber er starrt so gebannt auf sein i-Pad, dass ihm der Kontakt zu seiner realen Umgebung abgeht. 

„Grenze“ beinhaltete immer eine Form von eingeschränkter Freiheit, eingeschränkt von aussen oder durch das eigene Innere. Nun ist die individuelle Freiheit des Menschen bekannterweise in jedem Fall mehr oder weniger gering. Aber ohne bewusste Hinterfragung der eigenen Freiheit ist die relative Unfreiheit sicher besonders gross. Der Grenzdenker ist einer, der seine Möglichkeiten nicht wahrnimmt und sie auch anderen nicht zugesteht. Er stellt jene Gesinnung dar, die sich nur nach Konventionen, Gesetzen und Normen richtet und sich nicht um ein eigenes Urteil und Weltbild bemüht. 

Die Einschränkung individueller Freiheit durch Ordnung und Vorschriften ist zwar für unser soziales und wirtschaftliches Zusammenleben unabdingbar, kann aber auf der anderen Seite die Kreativität und die persönliche Entwicklung von Individuen und Gruppen ganz erheblich beeinflussen und einschränken. 

Ist die Gruppe der „mingeren Lüt“ durch wirtschaftliche Not dazu angespornt worden, sich mit persönlicher Kreativität eine eigene bescheidene Existenz zu sichern, so bewegt sich die grosse Masse der Grenzdenker unhinterfragt nach vorgegebenen Regeln. Sie sind Ausführende, Untergebene, Angehörige bestimmter (höherer, mittlerer oder unterer) Klassen und Peer-Groups, kleiden sich so, handeln so, vergnügen sich so, wie man das heute, hier und jetzt, ebenso zu machen pflegt.- Selbst das, was sie als Eigenkreation erleben, ist im Wesentlichen Nachahmung und Erfüllung vorgegebener Normen und Moden. Dass auch der Typus „Manager“ oder der Typus „Diktator“ häufig Grenzdenker sind, braucht heutzutage nicht besonders bewiesen zu werden. Sie bewegen sich einfach in einer anderen „Liga“. 

Eine Frage: Wie viele Menschen leben aus purrer Bequemlichkeit nur allzu gerne in vorgegebenen Situationen? Dabei täten sie sich selbst und ihren Mitmenschen so viel Gutes, würden sie nur hie und da über diesen Zaun hinweg schauen. 

Damit verabschieden sich die „mingere Lüt“ von Freddy Röthlisberger, welche dieser in Bronze dargestellt und mit philosophischen Texten belebt hat.

Bis zum nächsten Mal zu einem anderen Thema.

Euer Chefeli